Perspective Daily

Little Joy

Friends Vincent Vegan

Ein sonniger Abend im April, vielleicht der wärmste dieses Jahres in Hamburg. Vor dem Millerntor-Stadion wird es immer voller, eine freudige, knisternde Stimmung weht durch die Luft: In einer halben Stunde spielt der FC St. Pauli. Inmitten der Menschenmasse aus schwarz gekleideten Pauli-Fans ragt ein silbern glänzender Foodtruck hervor. Hier gehen Currywurst und Burger über die Theke – alles 100% pflanzlich. Veganes Essen für eingefleischte Fußballfans: Vincent Vegan kann das.

Die Geschäftsführer Christian Kuper und Topias Rohde haben es sich zur Aufgabe gemacht, die pflanzliche Ernährung unters Volk zu bringen. Mit rollendem Untergrund sinkt die Hemmschwelle potentieller Kunden und das vegane Essen wird damit mehr Leuten zugänglich gemacht, so die Idee des Gründers Christian. Der 35-Jährige schmiss seinen Job in der Unternehmensberatung, stellte sich die Sinnfrage und entwickelte daraufhin das Konzept für Vincent Vegan, das im Juni 2014 an den Start ging. Ein halbes Jahr später stieß Topias Rohde (33) dazu und gemeinsam leiten die beiden mittlerweile drei Foodtrucks und eine feste Base.
Außer auf den Heimspielen des FC St. Pauli machen die Imbisswagen auf Festivals und Märkten Halt. Auf dem Wochenmarkt in Ottensen, dem Standplatz der Geburtsstunde von Vincent Vegan, habe ich mit den beiden gesprochen.

Was macht Vincent Vegan einzigartig?

Christian: Also einzigartig ist zuerst mal das neue Konzept: ein Foodtruck, der veganes Essen anbietet. Das waren zwei Nischen, die wir vereinbart haben. Wir waren damals die Ersten, die das gemacht haben. Das hat zum einen das Risiko ausgemacht, aber halt auch die Chance.

 

Topias: Wir bringen veganes Fast-Food auf die Straße, ohne erhobenen Zeigefinger aber immer mit viel Lust und Spaß.

 

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für euch?

Topias: Nachhaltigkeit spielt generell eine große Rolle bei uns. In einigen Sachen müssen wir momentan zwar aus finanziellen Gründen noch Kompromisse eingehen, in anderen sind wir aber kompromisslos: all unsere Verpackungen sind zum Beispiel biologisch abbaubar, auch wenn man manchmal den sechsfachen Preis dafür zahlt. Außerdem ist ja der vegane Lebensstil an sich in der Bilanz eines jeden Menschen ein ganzes Stück weit nachhaltiger.

 

Woher bezieht ihr eure Zutaten?

Topias: Wir beziehen unsere Zutaten unter anderem vom kleinen türkischen Gemüseladen um die Ecke hier in Altona und unsere Brötchen werden in einer kleinen türkischen Bäckerei im Schanzenviertel handgemacht. Noch können wir leider nicht komplett auf Bio-Zutaten setzen.

 

Christian: Neben Nachhaltigkeit ist bei uns Transparenz ein wichtiger Aspekt. In der großen Gastronomie-Dichte in Deutschland sind wir wohl eine der wenigen, die keine Scheiße erzählen. Wenn etwas nicht handgemacht ist, sondern eingekauft, teilweise aus dem Ausland, dann sagen wir das auch ganz ehrlich. Wenn die Mittel da sind, ist es aber natürlich unser Ziel, immer mehr zu machen – wir wollen zum Beispiel klimaneutral werden, also eine Klimabilanz aufstellen und dafür dann einen Baum pflanzen, sodass wir dann auf plus/minus Null kommen. Und Elektroautos können wir uns auch für die Zukunft vorstellen.

 

Eure Vision einer besseren Welt?Was sollte sich ändern?

Christian: Die Menschheit als solche kommt zwangsläufig in die Situation, dass sich etwas ändern WIRD. Ob auferzwungen oder nicht, sei dahin gestellt. Und vegan zu sein rettet natürlich nicht sofort die Welt, aber es lehrt einen zumindest ein bisschen Respekt vor dem Leben zu haben und dafür, dass wir hier auf dieser Welt wandeln dürfen. Ich glaube an negative und positive Energie und all die negative Energie, die wir hier auf der Welt gerade haben, wird uns irgendwann mal den Hals zudrehen. Deswegen ist es wohl gut, dass es Leute gibt, die nicht alles richtig machen, aber zumindest versuchen, irgendwas richtig zu machen, so wie wir.

 

Topias: Ich finde man muss sich die Frage stellen – und bei mir ist es jetzt aktueller als jemals zuvor – „was für einen Planeten möchte ich meinen Nachkommen und den Kindes Kindern hinterlassen?“. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat uns ja zu dem Punkt gebracht, an dem wir jetzt sind – mit Massentierhaltungsfarmen usw. Und ich möchte mein Möglichstes tun, ein gutes Vorbild zu sein und einen Teil zu einer „besseren Welt“ beizutragen.

Wie sehen die Zukunftspläne für Vincent Vegan aus?

Christian: Wir wollen gerne in Deutschland noch publiker werden und neue Städte erobern. Ende des Frühjahrs kommen unsere Soßen in den Einzelhandel, dann wird im Mai unser eigenes Kochbuch erscheinen. Außerdem denken wir über stationäre Konzepte nach. Für 2017 ist zum Beispiel Berlin ein Thema, das wir wahrscheinlich angehen werden. Da ist also Vieles in Planung gerade, was aber noch strukturiert werden muss.

 

Neben den Foodtrucks betreibt ihr seit letztem Jahr #TheBase, ein festes Café in Altona. Wollt ihr die Foodtruck Geschäfte trotzdem weiter ausbauen oder geht es jetzt stehend weiter?

Christian: Das müssen wir schauen. Richtig schön wäre es, wenn die Foodtrucks irgendwann viele Events und Caterings machen könnten und wir nicht mehr nur von den Trucks leben müssten. Weil diese Foodtruck-Branche zwar gerade boomt, aber ich prognostiziere auch, dass da einige sterben werden. Es ist ein echt hartes Business, bei dem jeder Euro hart verdient werden muss. Darum muss man sich breiter aufstellen, und das versuchen wir gerade.

 

Eure persönliche Empfehlungen aus dem Vincent Vegan Foodtruck Angebot?

Topias: Oh das ist bei uns beiden dasselbe: unser fantastischer Veganizer Burger, der einfach immer wieder eine Geschmacksexplosion ist. Und dazu unsere French Fries mit unserer Garlickey Kurkuma Soße und dem Tomatenketchup.

 

 

Mehr über Vincent Vegan und wo die Foodtrucks gerade unterwegs sind, erfährst Du hier

 

Text und Bilder von Lisa Ostwaldt